Topographie von Bergstedt und Umgebung

aus "Topographie des Herzogtums Holstein" von Henning Oldekop, 2. Band
Kiel 1908, Verlag von Walter G. Mühlau

Bergstedt



Amtsbezirk im Kreis Stormarn mit den Gemeinden Bergstedt, Hoisbüttel a./A. und Hoisbüttel Gutsbezirk, grenzt im Norden an Hamburgisches Staatsgebiet, im Osten an Ahrensburg, im Süden an Hamburgisches Staatsgebiet und Amtsbezirk Poppenbüttel, im Westen an Amtsbezirk Tangstedt und Hamburgisches Staats-gebiet. Der Grundsteuerreinertrag der östlichen Hälfte ist mittel hoch, der westlichen Hälfte niedriger, Weizen wird nicht angebaut, andere Kornarten in entsprechendem Maße, auch Buchweizen und Rüben. Wiesenverhält-nis gut.


Bergstedt
Landgemeinde und Kirchdorf 12 km nordnordöstlich von Wandsbek, an chaussiertem und gepflastertem Wege von Hamburg nach Hoisbüttel. Postamt Bergstedt, Eisenbahnstation Lottbek der elektrischen Kleinbahn Altrahlstedt - Wohldorf.
Areal 704 ha, davon Acker 551 ha, Wiesen 36 ha, Hölzung 19 ha.
98 Wohngebäude, 550 Einwohner. 85 Pferde, 292 Rindvieh, 45 Schafe.

Das Dorf Bergstedt ist ziemlich geschlossen gebaut und wird Süd-Nord von der Nebenlandstraße durchschnit-ten. Im Dorfe befinden sich zwei freie Plätze, welche als Marktplätze dienen, viele Linden und Kastanien und
3 Teiche sind im Ort. Die Kirche liegt auf dem alten, von Linden umgebenen Friedhof. Sie war 1248 vorhan-den und Maria und Willehad geweiht. 1293 erhielt sie vom Bischof Johannes von Riga für die sie Unterstüt-zenden einen Ablaß. 1609 erfolgte eine Wiederherstellung und 1750 Verlängerung, auch erhielt sie den Dach-turm über dem Westteil aus Holzfachwerk mit Kupferbelag. Der große und rechteckige Bau besteht aus Feld-stein- und etwas Hausteinmauerwerk, auf der nördlichen Seite vor dem Fenster wächst eine Birke aus der Mauer. Südlich eine große Spitzbogentür. Die Kanzel hat Evangelistenfiguren und Ecksäulen. 2 Pastoren-bilder. 1 Glocke von 1622. Pastorat vor dem alten Kirchhof, alt aber gut erhalten, mit Lindenallee, besteht aus Wohnhaus und Scheune. Prediger wird abwechselnd ernannt und gewählt. Der neue schön angelegte Friedhof liegt in südwestlicher Richtung vor der Nebenlandstraße Hellbrook - Bargteheide.
Aus den Zinsen eines in der Stadt Husum belegten Kapitals von 4000 M erhalten Kirche und Prediger jährlich 15 M (vgl. Trittau). Zweiklassige Schule von 1906. Mehrere Handlungen und Handwerker, Schmiede, einige Wirtshäuser, auch ein alkoholfreies. - Jahrmärkte am Tage nach Mariä Heimsuchung und in der ersten Novemberwoche. Früher waren hier 7 Vollhufen, davon sind 3 parzelliert, ebenfalls 3 Käthnerstellen. Jetzt
6 Hufenstellen, 33 kleinere von 1 - 25 ha, 60 Häusler. Die Umgebung ist ansprechend, 1 km westlich fließt die Alster, südlich der Saselbek und östlich der Lottbek, welche in die Alster münden. 12 ha Hölzung liegen in einem Komplex, 8 ha in kleineren Parzellen.
Ausgebaut: Rothenbek, 1 km nornordwestlich, an der Alster, 1 Hufenstelle von 55 ha, 1 Landstelle von 25 ha, 5 Häuser, 1 Gastwirtschaft. Bei dem Einlauf des Lottbek war früher Kornwassermühle, jetzt Feilenschleiferei. Brücke nach Lemsahl-Mellingstedt; Altenmühle, südwestlich am Einfluß des Lottbek, Kornwassermühle mit Wirtschaft, ehemals Pulver- und Lohmühle.


Hoisbüttel
Amtlicher Anteil im Amtsbezirk Bergstedt, 3 km nordöstlich von Bergstedt, an Nebenlandstraße von Bargteheide über Lottbek nach Hellbrook, am Landweg von Ahrensburg nach Wohldorf. Post und Telephon Wohldorf, Eisenbahnstation Ahrensburg und Lottbek, Kirchspiel Bergstedt.
Areal 444 ha, davon Acker 326 ha, Wiesen 56 ha, Weiden 10 ha, Hölzung 21 ha.
42 Wohngebäude, 218 Einwohner, 48 Pferde, 302 Rindvieh, 137 Schafe.

Schon früh, angeblich 1370 sind einige Landstellen von Hoyersbuttle nach Hamburg verpfändet und verkauft und ebenfalls 1662 die Zehnten an den Hamburger Domherren Eghard. 1803 wurden diese Hamburger Besitzungen gegen Alsterdorf eingetauscht und 1805 dem Amte Tremsbüttel überwiesen und gehörten somit wieder zu Holstein.
Hoisbüttel liegt recht niedrig, von den Hügeln hat man weite Aussicht, der Schüberg ist 63 m hoch. Die Feldmark wird in Norden von der Hunnau durchströmt, im Süden fließen Bredenbek und Lottbek (Schwartenbek) zur Alster. Kleinere Hölzungen liegen zerstreut.Zwei größere Besitzstellen 73 und 66 ha,
9 Stellen von 25 -50 ha, 19 Häusler. Die Schule wurde im 18. Jahrhundert errichtet; sie brannte 1755 nieder und auf Bitten des Lehrers Christopher Schneider half die Gemeinde durch freiwillige Fuhren am Wiederaufbau. Nachdem der hamburgische Anteil 1803 wieder holsteinisch geworden, solte der Lehrer Hüttmann die Vergrößerung des Schulgebäudes bewirken, doch auf seine Erklärung, daß ihm das Geld fehle, wurde die Gemeinde dazu angehalten. Lehrer Hüttmann gab nach weiteren 8 Jahren den Dienst auf und die Gemeinde wurde veranlaßt, ein neues (ausreichendes) Schulhaus zu errichten. Ähnliche Vorkommnisse haben angeblich im 19. Jahrhundert stattgefunden: der neueste Schulbau hat auf Veranlssung des Schulkollegiums 1899 von der Gemeinde ausgeführt werden müssen. Im Dorf Schmiede, 10 Handwerker.
Ausgebaut: Lottbeker Krug 1 km südlich am gleichnamigen Bach. Einzelstelle und Gastwirtschaft, Haltestelle der elektrischen Kleinbahn Alt-Rahlstedt - Wohldorf (vgl. Hoisbüttel, Gutsanteil).


Hoisbüttel
Gutsanteil im Amtsbezirk Bergstedt, 3 km nordöstlich von Bergstedt, an der alten Landstraße von Oldesloe nach Hamburg. Post und Telephon Wohldorf, Eisenbahnstation Ahrensburg und Lottbeker Krug (elektrisch), Kirchspiel Bergstedt.
Areal 412 ha, davon Acker 246 ha, Wiesen 55 ha, Weiden 69 ha, Hölzung 21 ha.
40 Wohngebäude, 232 Einwohner, 48 Pferde, 250 Rindvieh.

Hoisbüttel, vormals Junker-Hoisbüttel, adliges Gut, Besitzer im 16. Jahrhundert v. Heest; Heinrich v. Heest verkaufte das Gut 1598 an Heinrich v. Buchwaldt für 7000 (?9v. Ct. und dieser vergrößerte es durch 3 niedergelegte Hufen im Dorfe Hoisbüttel, darauf dessen Nachkommen; 1711 v. Spenner; darauf die Familie v. Cossel; 1781 J.H. Behn aus Altona; 1788 Major v. Gustedt; 1793 Hofrat F.W. v. Schütz; 1798 Sultow; 1802 AmtsverwalterNeumann; 1803 Asmus Heinrich Priehn; unter ihm kam es zum Konkurs und das Gut wurde an Cornelius Gosvinus de Jager verkauft; 1808 LegationsratJohann Ernst Leisching; 1810 Hedwig Gräfin Schmettau; 1857 Schröder; 1869 Eduard Dreyer; 1906 Eberhard Willmann aus Schöneberg bei Berlin. -
Die Landstellen warem im 18. Jahrhundert noch Eigentum des Gutsherren und wurden dann gegen Hand- und Spanndienste dem Betreffenden überlasesen. 1797 wurden diese Leistungen in eine Geldzahlung verwandelt, welche als sogenannter Kanon 4 (?) per Tonne betrug, wobei der Gutsherrschaft das Vorkaufsrecht gewahrt blieb. 1873 erfolgte die Ablösung durch die Rentenbank zu Stettin, Ablösungszeit 56 1/12 Jahre. Das Vorkaufsrecht ist beseitigt.
Der Gemeinde-Gutsanteil Hoisbüttel besteht jetzt aus folgenden Teilen: Hof Hoisbüttel, 200 ha.; im Dorf Hoisbüttel 2 Halbhufen; einige kleinere Stellen und 18 Eigentümer mit Garten. Mühle und 2 Wirtshäuser. Zweiklassige Schule von 1901.
Ausgebaut: Rotwegen 1 km nordnordöstlich, an der Hunnau; Hunnau 1 km nordöstlich, 1 Stelle; Laberg, 1 Stelle; Tannenberg, 1 Viertelhufe; Lottbek, Viertelhufe und Krug, 1 km südwestlich, Bahnstation der elektrischen Kleinbahn Alt-Rahlstedt - Wohldorf.
Das Terrain ist östlich vom Dorf etwas bergig, südöstlich der Schüberg., 63 m, mit weitreichender Fernsicht, im Norden fließt die "Au" (Hunnau), im Süden der Bredenbek und Lottbek. Das hüglige Land im Osten ist der beste Boden, etwas lehmhaltig und kalkreich. An Hölzungen ca. 20 ha (vgl. Hoisbüttel, amtlicher Anteil).



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